Saturday, September 7, 2013

Uff!

Ich dachte ja immer, dass es eine Herausforderung sei, ein Kind großzuziehen. Was gab es damals und gibt es noch alles zu beachten! Das ging von der richtigen Haltung beim Bäuerchen bis zur Wahl des pädagogisch anspruchsvollsten Gymnasiums und bleibt in der Pubertät weiter spannend. Die letzte Aufgabe wird dann hoffentlich irgendwann das Vergraulen völlig ungeeigneter Heiratskandidatinnen bzw. das Verkuppeln mit der Wunschdame meines Herzens sein, die mir ab dann sämtliche Erziehungsaufgaben vom Hals hält.
 
Jetzt allerdings merke ich, dass es eine wesentlich größere Herausforderung ist, einen Hund zu halten.
Früher hat man sich einen Hund angeschafft, hat irgendein Futter im Supermarkt und Leine sowie Halsband gekauft. Und vielleicht einen Korb. Ansonsten hat man ein olles Kissen in eine Ecke gelegt, das war dem Hund wurscht. Mal abgesehen davon lief der Hund so nebenher. Irgendjemand ging immer mit ihm raus, manchmal ist er auch durchs Fenster abgebüxt und mit joggenden Nachbarn durch den Wald gewetzt um später Kletten- und Zeckenbehangen wieder heimzukommen.
Erziehung? Na ja, "Bei Fuß" und "Sitz" funktionierten ganz gut, wenn die Wurstscheibe in der Hand groß genug war und der Hund Lust hatte.
Ansonsten war der Hund meiner Kindheit, Yvon,  einfach mein Freund und Tröster und ist in unserer Familie immer noch eine Legende, weil er so ein wunderbar unkomplizierter, liebevoller und unbelehrbarer Hund war.
 
Heute?
Bevor Du überhaupt einen Hund bekommst, gleichgültig ob vom Züchter oder aus dem Tierschutz, wirst Du erst mal auf Herz und Nieren geprüft. Gegen die Fragebögen der Tierschutzorganisationen waren die Stasi-Befragungen bei Verdacht des Hochverrats ein Witz. (Leider schaffen es trotzdem immer noch viele ungeeignete Leute, einen Hund zu ergattern - vielleicht sind die Fragebögen doch nicht streng genug).
 
Dann braucht der Hund nicht nur Leine, Halsband, Schlafplatz und Futter von irgendwoher - niemals!
Das Futter sollte schon mal selbstgekocht, oder anders gesagt "gebarft" sein - da kommt es dann nicht nur auf die Zusammensetzung, sondern auf die ökologisch und ökotrophologisch unbedenkliche Herkunft der Zutaten an.  Fertigfutter? Hä? Das grenzt an Körperverletzung!
Die Leine darf nicht irgendeine sein, nein! Ohne Biothane verdient die Leine ihren Namen nicht. Dann kannst Du Dich noch an lebhaften Diskussionen über Schleppleine vs. Rolleine beteiligen.
Auch ein normales Körbchen oder ein Kissen tut es nicht. Ein Hundebett muss es sein! Am besten ein Med-Bett. Allergiegetestet und garantiert rücken- und gelenkschonend. Um diesen Effekt sinnvoll zu unterstützen, darf Dein Hund selbstverständlich keine Treppe laufen. Du musst ihn tragen, egal ob Chihuahua oder Neufundländer. Wie es dann mit Deinem Rücken aussieht, sei dahingestellt. Entweder Du kaufst den Treppenlift sofort (für den Hund) oder später (für Dich).
Gesundheit wird ja sowieso großgeschrieben. Also - die des Hundes. Was auch immer sich in Deiner Hausapotheke befindet, in der Deiner Fellnase muss die komplette Bachblüten-Apotheke sein. Die Rescue-Tropfen trägst Du immer am Körper, wenn Dein Hund bei Dir ist - der geräuschvolle Husten eines Passanten oder die Katze auf der Friedhofmauer könnten Deinen Hund sonst für immer traumatisieren! Die Kosten des Tierpsychologen sind dann unabsehbar.
Überhaupt musst Du seeehr behutsam mit dem Dir anvertrauten felligen Kleinod umgehen. Es gilt, den Hund positiv zu konditionieren. Negative Äußerungen wie Nein! oder Aus! sind streng verpönt. NIEMALS ein lautes Wort.
 
Dazu kann ich gleich eine kleine Geschichte erzählen. Yoshi hat als ehemaliger Straßenhund anfangs nicht verstanden, dass er jetzt ein Dach über dem Kopf hat und dies auch noch ein Privileg ist. Daher schlüpfte er bei jeder Gelegenheit ins Treppenhaus und wuselte die Treppe herunter - ganz ohne Treppenlift! Meistens schaffte er es, Nico zu entschlüpfen, der ihn dann mit einer gefüllten Kaustange wieder nach oben lockte.
Inzwischen hat Yoshi sehr wohl verstanden, dass ein festes Dach über dem Kopf fast nur Vorteile hat - aber immer, wenn er Lust auf eine Kaustange hat, flitzt er die Treppe herunter und sitzt grinsend in freudiger Erwartung  unten an der Treppe. Dies zum Thema "Positive Konditionierung"!
Ich habe das Problem jetzt dahingehend gelöst, dass ich jegliche Erziehungsratschläge von Leuten mit stabilerem Rücken als meinem in den Wind geschlagen habe und Yoshi erst mit freundlichem, dann aber immer strengerem "ZU MIR!!!" wieder hochbeordert habe. Zur Belohnung gibt es dann kein Leckerli sondern ein gnädiges "Na also".  Bis jetzt kommt mir der kleine Frechdachs nicht besonders traumatisiert vor.
Zu diesem Thema habe ich heute einen wunderbaren Artikel im Krawallmaus-Tagebuch gelesen, den ich Euch nur empfehlen kann: Wenn Gundulas freudig den Sex abbrechen. Ich habe Tränen gelacht!
 
Wie auch immer, demnächst muss ich mich wohl auf die Suche nach einer geeigneten Hundeschule machen. Vorher muss ich natürlich darauf achten, dass die Schwingungen des Trainers mit denen von Yoshi und meinen übereinstimmen. Ich kenne Leute, die Kurse in vier Hundeschulen angefangen und jeweils festgestellt haben, dass die Schwingungen nicht harmonisch sind.
Vielleicht sollte man in diesem Fall mal ein EEG machen, um das pure Vorhandensein von Schwingungen bei Herrchen überprüfen zu lassen.
 
Ihr seht also, ich bin vollauf beschäftigt. Glücklicherweise ist Yoshi ein Hund mit ganz vielen positiven Schwingungen und wenig Neigung zu Traumata. An der (übrigens ohne Biothane-Anteile) Leine läuft er schon prima. Er spielt und kuschelt, was das Zeug hält und klöfft nicht unnötig durch die Gegend. Bronchitis und Zwingerhusten sind so ziemlich überstanden - und das ganz ohne Med-Bett! Dafür mit viel Antibiotika.

 
Das gekaufte Futter wird mit immerhin selbst gekochten Nudeln und Hüttenkäse aufgehübscht. Trotzdem wird es manchmal zugunsten angegammelter, auf dem Asphalt liegender Laugenbrezeln stehengelassen. Die Sache mit dem "Wir fressen nichts, was auf dem Boden herumliegt" wird schwierig. Aber der passende Trainer mit den harmonischen Schwingungen wird da sicher Wunder bewirken.
 
Ebenso wie die Kühlmatte für den Sommer. Und die Wärmematte für den Winter. Wahrscheinlich wird sich Yoshi jeweils direkt daneben platzieren. Wenn er nicht sowieso immer mitten im Weg liegt, was Hunde ja immer gerne tun und sich dabei sehr voluminös gebärden können. Aber Hauptsache, ich schaffe alle "benötigten" Utensilien an. Da wären dann noch Geschirre und Leinen, für jeden Wochentag eine andere Farbe. Eine beheizbare Autodecke. Ringelsöckchen für den kalten Winter. Ich kann mir schon lebhaft vorstellen, wie lange die sich an den Pfoten halten. Und natürlich Hundeparfüm, falls mein kleiner, einfallsreicher Freund sich in Fuchskot wälzt und weiterhin vehement gegen die Badewanne sträubt.
 
Gerade eben kommt mir der Gedanke, dass die meisten Hunde ohne Luxus und überbehütende "Rudelführer" viel weniger traumatisiert wären ...
P.S.: Nein, ich habe nicht vergessen, dass ich scrappe. Ich habe auch noch etwas in petto. Ansonsten muss ich erst mal mein Stübchen aufräumen. Das wird ein Riesenspaß mit einem papierschnipselfressenden Staubsauger, der alles auf dem Boden befindliche als Delikatesse betrachtet! *lol* Aber ich muss es angehen. Sonst werde ich unausgeglichen. Und meine Schwingungen erst !
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9 comments:

  1. Herzerfrischend und so wahr, je mehr Gewese man um einen Hund macht, desto mehr Traumata. Hund braucht in erster Linie Regeln, um sich sicher zu fühlen und Liebe, um sich wohl zu fühlen. Ihr macht das schon. Yoshi sieht so zufrieden aus !

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  2. Ach Iris! Was für wunderschöne Fotos und dann die Beschreibung der heutigen Hundeerziehung. Herrlich! Ganz ehrlich? Manchmal bin ich heilfroh, dass wir Franzosen den Deutschen in fast Allem mindestens 10 Jahre hinterherhinken. Da wird frau ja ganz kirre, was der deutsche Hundehalter so alles beachten soll. Ich halte es da mit dem gesunden Menschenverstand und gaaaanz viel Liebe und ein bisschen Strenge. Wie bei einem Kleinkind eben. Lass Dich nur nicht von den Gundulas dieser Welt verunsichern. Wer schon einmal einen glücklichen Hund hatte, der weiss wie es geht.
    Dickes Bisous
    Pia

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  3. Sehr köstlich!!! Ja, wir haben auch mittlerweile unsere Erfahrungen gemacht und nachdem wir die 3. Generation Border Collie groß gezogen haben auch vieles über Menschen dazugelernt. Kinderlose Menschen neigen natürlich dazu, ihren (in diesem Falle) Hund zu vermenschlichen. Es bleibt trotzdem ein Tier. Unsere werden immer wieder von völlig Fremden gelobt, wie gut sie hören und wie umgänglich sie sind. Das haben wir nicht mit eiteitei erreicht, aber auch nicht mit dem Stock. Aber wenn ein Rüde zu aufmüpfig wird, dann wird er auch schon mal von seinen Menschen auf den Rücken gedreht und untergeordnet. Fertig, und es ist wieder für ein Vierteljahr alles bestens. Ihr werdet mit Sicherheit den richtigen Weg finden, mit dem alle richtig glücklich sind.
    LG von
    Stine

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  4. Guten Morgen Iris und schönen Dank auch, für diese herzerfrischende Lektüre und den Blog-tip...das Ende meiner Lektüre war: Buchbestellung und strahlende Kinderaugen, während der Mann über meinen (nicht ganz ernst gemeinten) Dialog mit unserem Älteren ("hab ich Dir schon erzählt, dass wir doch einen Hund bekommen?" "Oh toll, wann?" "Wenn ich die ... Bücher gelesen habe und deinen Vater ein halbes Jahr bearbeitet habe!")nicht mal lächeln konnte... Naja vielleicht dann im Dreiviertel Jahr...

    Ich wünsche Euch auf jeden Fall viel Spaß und Unterhaltung mit dem kleinen Racker! LG Ines

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  5. Hallo Iris,

    noch einmal Gratulation an euch =) Hundeglück ist herzerfrischend und ich/wir freuen uns jeden Tag wieder über unsere Fellnase, die im Oktober ein Jahr bei uns ist. Sicher, es wird viel Aufsehen gemacht, aber im Vergleich zu Pferden (die ich auch besitze) oder zum Scrappen und den richtigen Materialien- da ist der Hund ein Kinderspiel und der Aufriss vergleichsweise klein. Selbst mit Biothane, Barf (<3) und positiver Verstärkung. Man findet seinen Weg schneller als gedacht ;)

    Ich wünsche euch noch viel Spaß und jede Menge Momente des Glücks!

    LG
    Eileen

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  6. Ein toller Hund!! Wir haben ja inzwischen schon zwei und ich denke, ohne Hund wäre diese Familie nicht perfekt. Yoshi ist gut aufgehoben und es geht mit gesundem Menschenverstand das meiste auch ohne Gedöns!!!!

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  7. ...aber sowas von süß---der Blick, die Haltung, einfach nur zum Liebhaben...ich freue mich für euch...

    lG Geli

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  8. Interessant dabei finde ich das wirklich jeder Kinder bekommen darf.... aber das ist ein anderes Thema!!!
    Aber ich finde es spannden zu beobachten wenn für die Tiere nur das teuerste Markenfutter auf dem Band im supermarkt liegt, es für die Kinder aber das Hackfleich mit dem Orange Farbenenen SONDERPREIS aufkleber....
    LG Nanany

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  9. Hallo Iris,
    es ist heute nicht das erste Mal, dass ich diesen Post mit großem Vergnügen lese. Immer mal wieder rutsche ich vorbei und lese ein weiteres Mal grinsend verstehend deine großartigen Ausführungen über Hundehaltung und -erziehung. Danke für immer mal wieder lustige fünf Minuten.
    Karin

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