Friday, August 3, 2012

Area 51 - mitten in Deutschland

Schräg links über Las Vegas liegt, nicht sehr idyllisch an einem ausgetrockneten Salzsee in der Wüste Nevadas, einer der geheimsten und merkwürdigsten Orte der Erde: Area 51. Dort befinden sich angeblich die Überreste von Aliens, z.B. die, die 1947 bei Rosswell, New Mexico, abgestürzt sein sollen.
Schon als Kind habe ich mich gefragt, wie sich ein eventuell überlebender Alien unter den verständnislosen Blicken der Menschen gefühlt haben mag.
Spätestens seit Dienstag weiß ich es.
Ich trage, so wie einige von Euch auch, mein persönliches Stigma, meine Area 51, mit mir herum. Manch Uneingeweihter merkt es nicht, aber am Dienstag leuchtete es auf meiner Stirn auf wie Signallampen eines Krankenwagen im Noteinsatz.
Eigentlich wollte ich nur kurz in der Scrapbook-Werkstatt vorbeischauen. Das hatte ich schon lange mal vor, aber irgendwie hat es nie gepasst. Aber am Dienstag.
Leider lotste mich mein Freund Google erst mal in die Schmidtgasse nach Gelnhausen-Höchst. In den Augen des armen Menschen, dem ich dort in der Hausnummer 6 begegnete, las ich kein Erstaunen, als ich nach der Scrapbook-Werkstatt fragte - nein, der nette Herr konnte mir den Weg in die richtige Schmidtgasse 6 (in der Innenstadt Gelnhausens) perfekt beschreiben. Das lässt darauf schließen, dass er schon häufiger Begegnungen der dritten Art hatte.
Dank der anschaulichen Beschreibung wandelte ich kurz darauf  durch die zauberhafte Gelnhäuser Altstadt. In der Schmidtgasse marschierte ich zielstrebig auf die Scrapbook-Werkstatt zu, geschwindigkeitsmäßig leicht gebremst von zwei mittagspausierenden Krawattenträgern, die brötchenkauenderweise die Schaufenster studierten. Schon vorher nicht besonders eilig unterwegs, stagnierte die Fortbewegung der beiden Herren endgültig, als sie das Schaufenster der Scrapbook-Werkstatt erreichten.
"Wasch´n das für´n Laden???" kaute der eine der beiden Herren entsetzt. (Vom Tonfall her hätte man annehmen können, dass das Schaufenster von Freddy Krüger gestaltet worden wäre.)
Sein Kollege schaute ähnlich fassungslos durch die Scheibe auf die dort ausgestellten Minibooks und liebevoll gestalteten Dekos.
"Ein Geschenkeladen?" schlug er nach reiflicher Überlegung vor, dann wanderte sein Blick nach oben auf das Ladenschild und seine Lippen formten lautlos die darauf stehenden Worte. Da stellte er sich ein, der verständnislose Blick, den normale Menschen beim Anblick eines Aliens oder einer fliegenden Untertasse bekommen.
Da die Krawattenträger mir den Weg zur Eingangstür versperrten stand ich schräg hinter ihnen, schon leicht  ungeduldig ob der Verzögerungen. Diese Ungeduld verführte mich zu einem bösen Fehler:
Ich outete mich als Alien.
"Das ist ein Geschäft, in dem man Papier und vieles andere für `Scrapbooking` kaufen kann. Das ist ein künstlerisches  Hobby, bei dem es ürsprünglich um die Gestaltung von Fotoalben ging," entfuhr es mir. Die Herren fuhren herum und wichen instinktiv einen Schritt zurück. Und das, obwohl ich sowohl ausgeschlafen als auch frisch geduscht und sogar gut geschminkt war!
Aber all das konnte mein Stigma nicht verbergen. Ich bin und bleibe nun mal ein Außerirdischer aus einer Parallelwelt.
Durch den Rückwärtsschritt hatten die beiden mir den Weg zur heiß ersehnten Tür freigemacht. Die Brötchen steif in der Hand haltend, starrten mich die beiden Herren an.
"Aha. Und was macht man da?," brachte der eine heraus. Aber ich sah die endlich freie Tür und witterte Morgenluft.
"Das zu erklären würde jetzt sehr lange dauern. Schauen Sie doch mal bei Google nach, da finden Sie tolle Bilder und Infos," sagte ich und schob mich eilig an den beiden vorbei in den Laden.
Leise klickte die Tür hinter mir zu. Tief atmete ich die nach Papier duftende Luft ein und ein Gefühl tiefen Friedens überkam mich. Drei Damen in der Nähe der Tür schauten mich an.
"Danke, dass Du´s erklärt hast," sagte die eine.
Endlich. Ich wusste, dass es noch andere Aliens gibt.
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18 comments:

  1. Ja, das ist schon ein hartes Los mit uns :-)

    LG,

    Tanja

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  2. Auch mich hat das Navi schon in die "falsche" Schmitdtgasse gelotst....
    Aber das Ziel ist die Belohnung!! *schmacht*

    Und ich bin gern ein Alien. Vielleicht sollte ich an die Tür meines kreativbereichs ein Schild mit "Area 51" machen?!

    Danke für Deinen amüsanten Bericht,
    alienhafte Grüße
    Tatiana

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  3. danke für den wundervollen Bericht, musste gerade herzlichst lachen!!
    LG MIchaela

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  4. Danke für den herzerfrischenden Bericht,
    habe mich gerade sehr amüsiert ;-).
    Wie gerne zähle ich mich zu den Aliens ;-).
    LG Susanne

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  5. Herrlich! Ich hab so gelacht - und auch ein bisschen mitgelitten. Scrappen als Hobby ist manchmal wirklich nicht leicht zu erklären. :-D

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  6. Hallo Iris,

    danke für deinen tollen anschaulichen Bericht ... habe mich köstlich beim lesen amüsiert!

    Liebe Grüße
    Anja

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  7. Danke für diesen Bericht, der mich jetzt richtig zum Schmunzeln gebracht hat, ich habe mich mal wieder köstlich amüsiert und freu mich, dass es auch woanders noch die Area 51 gibt

    alienmäßige Grüße, Marikka

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  8. :D Arme Iris! Da ich leider - oder doch zum Glück? - im scraptechnischen Niemandsland wohne, verfüge ich zwar nicht über derartige Erfahrungen, kann aber wegen Deines anschaulichen Berichts mir Dir fühlen.
    LG Martina

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    1. Seit das Stempelmeer leider sein Ladengeschäft geschlossen hat, wohne ich auch im scraptechnischen Niemandsland. Bis zur Scrapbook-Werkstatt muss ich über eine Stunde fahren! Glücklicherweise war ich gerade sowieso auf halber Sttecke, die Gelegenheit habe ich dann genutzt.

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    2. Hallo Iris,
      also du hast zwei tolle Läden in Großostheim / Aschaffenburg fast vor der Haustür! Hast du noch nie was von der Papierwerkstatt und dem Steckenpferdchen gehört? Ich bin überrascht, ehrlich. Also google mal - die sind beide in Großostheim und für dich ist das nur der halbe Weg.
      LG
      Carola

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    3. Huhu Carola,
      die stehen auch schon länger auf meiner Liste - aber Großostheim und Babenhausen (Paper Memories) sind auch eine Stunde Fahrt. Also auch nicht wesentlich näher ... :-(
      Liebe Grüße, Iris

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  9. Hallo Iris klasse Bericht Ja Schade das wir nicht mehr bei Silke Einkaufen können .War ja nur Ein Sprung.....Aber Babenhausen und Großostheim sind auch nicht schlecht....und von dir genauso weit wie zu Tina...
    Gruß Dagmar

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    1. ...und wen hab´ ich da auf Fotos im Laden gefunden ? Die Dagmar, die Lena und die Sandra! Ich hab´ uns fast singen hören ... *lol*

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  10. Und es gibt sie doch! *lach*

    Ich kann mich Dich und deren verdutzte Gesichter so richtig vorstellen. In der Klinik musste ich auch erst LO's zeigen, damit die Leute sich scrapbooken vorstellen konnten.

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  11. Herrlich! Was soll ich sagen? Berlin gehört auch immer noch zum Niemandsland - einkaufstechnisch gesehen..... bleibt nur das Shoppen per Internet. Ich würd auch gern wieder in der SW shoppen, ich kenne nur den alten Laden.... Danke für Deinen lustigen Bericht. Ich sehe es förmlich vor mir....

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    1. Aber in Berlin gibt´s doch die Stempelbar und Creavil! Das würde ich nicht als "Niemandsland" bezeichnen ...

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  12. Herrlich beschrieben Iris! :-)

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