Wednesday, September 1, 2010

Fleißarbeit oder: Frau W. sieht fern

Neulich wurde ich  gefragt, wo ich die Zeit hernehme, lauter kleine Details und Embellies für Layouts und Minibooks selbst zu machen, zu schnippeln, zu colorieren usw.
Das Geheimnis ist ganz einfach: Multitasking oder anders ausgedrückt: Fernsehen !
Für eine Person, deren Sehstärke der eines Maulwurfs ziemlich nahekommt, ist meine Wahrnehmung überraschend stark visuell ausgerichtet. Namen und Daten kann ich mir oft erst merken, wenn ich sie geschrieben sehe oder (noch besser) selbst schreibe. Das macht richtig Spaß in einer Kindertagesstätte mit sechzehn Kolleginnen, einhundertfünfzehn Kindern plus je mindestens zwei Eltern ! Aber man entwickelt so seine Strategien ....
Merkwürdigerweise hat das Fernsehen für mich in den letzten Jahren drastisch an Charme und Bedeutung verloren. Wenn ich die Wahl hätte, welches Gerät ich am wenigsten vermissen würde, würde ich vor meinem Laptop, meinem Handy und meiner Musikanlage ohne Zögern den Fernseher hergeben.
Vielleicht liegt das daran, dass ich es mit zunehmendem Alter vorziehe, gemütlich (wenn auch mit mehr Abstand, als meine Kurzsichtigkeit eigentlich zulässt) auf dem Sofa zu sitzen, anstatt mit wenigen Dezimetern Entfernung auf dem Boden vor dem Fernseher zu kauern. Möglicherweise liegt es auch daran, dass es in der Zeit der Großbildfernseher einfach zu anstrengend ist, so dicht vor dem Fernseher zu sitzen - obwohl es für das Training meiner Nackenmuskalatur vielleicht von Vorteil wäre, sofern es sich nicht gerade um ein Tennisspiel handelt. 
Tatsache ist: Nur Fernsehen ist für mich langweilig geworden. Lesen und Fernsehen gleichzeitig macht auch wenig Sinn, außer ich kenne bereits sowohl Buch als auch Film - und diese Kombination ausfindig zu machen ist mir, ehrlich gesagt, zu anstrengend. Oft habe ich das Laptop auf dem Schoß und surfe nebenbei, wenn ein Film oder eine Serie läuft, die mich vage interessiert. 
Seit ein paar Monaten habe ich aber eine andere Möglichkeit gefunden, die Zeit, die ich mit meinen Lieben vor dem Fernseher verbringe, effizient zu nutzen.
Viele Dinge, die ich auf meinen Layouts so unterbringe, sind wirklich recht zeitaufwändig. Zeit, die ich in meinem Scrapstübchen verbringe, ist grundsätzlich Zeit ohne Kind, Mann und Kater (wobei letzterer selbst schuld ist - der würde noch mit hineinpassen). Also erledige ich einige "Fleißarbeiten" mit wenig Materialaufwand beim Fernsehen.

So kommt es, dass ich das liebliche Hinscheiden der stählernen Magnolie Shelby (Julia Roberts) mit dem Akkord-Distressen der Weihnachtskarten 2009 verbinde. Während ich Spitze in Wellenform von Hand vernähte, schmachtete Sissi ihren Franzl an. Ich coloriere Stempelabdrücke von niedlichen Kätzchen und Igeln, während Miss Bones Knochen jagt und Miss Jordan ihr Skalpell gekonnt durch bedauernswerte Mordopfer führt.

Dass diese Taktik auch zu verblüffenden Ähnlichkeiten führen kann, wurde mir klar, als ich den konzentriert schiefgelegten Kopf von meiner Schnippelarbeit hob, um CSI Special Agent Horatio Caine in exakt derselben Pose auf der Mattscheibe zu finden. Allerdings erschöpfte sich unsere Ähnlichkeit damit - erstens hatte Caine das Ziel seiner Konzentration nicht selbst zerschnippelt und zweitens zeichnet er sich durch eine Schweigsamkeit und Bedächtigkeit aus, die ich mit Sicherheit nie mein Eigen nennen werde.

Leider lässt sich diese Art der Effizienz nicht auf andere Lebensbereiche übertragen - gerne hätte ich auf den Schulelternabend die vielen Swirls, die ich gerade für ein Mini schneide, mitgenommen. Aber man muss den Ruf von Frau W. , etwas sonderbar zu sein, ja nicht unnötig verstärken.
Also schau ich lieber mal nach, was es heute abend im Fernsehen gibt ... 
Liebe Sylvia, habe ich Deine Frage mit diesem Post beantwortet ? *g*
Pin It

11 comments:

  1. Sehr amüsant geschrieben, liebe Miss W. Wohin hast du denn die Brille fürs Weitgucken verlegt? :-))

    ReplyDelete
  2. Huhu, ich kenne das! Mein Fernseher läuft zwar ununterbrochen, aber nicht wegen mir. Sollte ich die Anwandlung haben doch zu gucken, dann mache ich auch ständig etwas nebenbei. Meistens häkele ich.

    ReplyDelete
  3. @Bille: Du hast mich falsch verstanden: Ich sitze auch so dicht vor dem Fernseher, wenn ich die Brille aufhabe. Dann habe ich nämlich immer noch nur eine Sehstärke, für die andere Leute ein Brille bekommen ! *g*

    ReplyDelete
  4. Siehste, deshalb plane ich in Gedanken seit Wochen, wie ich die Wohnzimmerregale in's Schlafzimmer, den Basteltisch hingegen in die eh eher praktisch gehaltene Wohnzimmereinrichtung integriert bekomme. :) Weiter so meine Liebe!

    ReplyDelete
  5. *gröhl* ich hab grad Tränen in den Augen vor Lachen :) ich habe zu 3D-Kartenbastelzeiten auch immer beim Fernsehen geschnibbelt :) Colorieren von Stempeln mag ich allerdings nicht dabei - eher so Stricken, Häkeln... und egal, lieber sonderbar als langweilig sein :)

    ReplyDelete
  6. Deine Beschreibung der Fernsehnebentätigkeiten war sehr unterhaltsam und bildlich - einfach schön. Habe ganz früher nebenher gestrickt, dann wurde gehäkelt, schließlich 3D-Motive geschnibbelt und endlich ist der Fernseher in meinem neuen Bastelzimmer gelandet, so dass ich meine Karten basteln kann, während selbiger nebenher läuft. Frau braucht ja auch ein bißchen Ansprache ;-) Gut, dass wir Frauen multitasking sind.
    Liebe Grüße
    Claudia (schokoclau)

    ReplyDelete
  7. Ich muß jetzt auch grade mal ,,grinsen,,.Meine Nachbarn haben letzt auch schon mal gefragt wann ich eigentlich das alles mache.
    Haushalt(morgens um 6 Uhr Wäsche waschen) ,Arbeiten ,mittlerweile drei Gärten(300,650,1422 qm) usw....
    Tja Wir sind halt ,,Alle;; Kreativ in allen Richtungen.
    Tja und kleine Sachen werden ja immer Abends,beim Fehrnsehen erledigt ,
    oder!!!
    schnippeln,stempeln und Co

    ReplyDelete
  8. Neben dem Fernsehen kann man ja so einiges an Kram erledigen. Ich persönlich liebe ja das Bügeln beim Fernseh schauen. Meine Scrapkram trage ich aber auch ganz oft rüber. Gott sei Dank haben wir einen großen Esstisch!
    Auf meinem Blog ist auch noch eine Kleinigkeit für dich. ;-)

    ReplyDelete
  9. Ich sehe es vor mir! *grins* Noch viel besser allerdings wäre es, wenn man das mit Schlafen kombinieren könnte. Ich schlafe nämlich neuerdings vor dem Fernseher ein. Früher wäre ich erst beim TESTBILD aufgewacht. Jetzt werde ich jedes Mal traumatisiert, durch irgendwelche lüsternden Damen, die wollen das ich sie anrufe.

    ReplyDelete
  10. Ja, hast Du. Kann man so sagen. Ich setze mich mal vor den Fernseher, vielleicht kommt dann mein mojo wieder.
    ;-)

    ReplyDelete
  11. Entschuldigung, ich habe mich nicht geoutet. LG, Sylvia

    ReplyDelete