Friday, November 14, 2008

Schnitzeljagd oder "Warum der Metzger die Flucht ergreift"

Wusstet Ihr, dass ich Schnitzel liebe ? Schnitzel Wiener Art, schön zart und gut paniert.
Kürzlich dachte ich, ich könnte Schnitzel ja mal ein wenig anders machen, etwas extravaganter - einfach anders als alle Leute. Deshalb habe ich ein wenig im Internet gesurft und konnte mit Genugtuung feststellen: Meine Schnitzel sind die Besondersten !!!
Warum ?
Alle Schnitzelrezepte für panierte Schnitzel gleichen sich ziemlich:
Die Schnitzel klopfen, würzen, erst in Mehl, in verquirltem Ei und dann in Paniermehl wenden, zum guten Schluss in einer Pfanne braten.
Nun meine Version, quasi:
*~*~*~*~*
Schnitzel a la Yosemite
*
1. Schon beim Schnitzelkauf scheidet sich die Spreu vom Weizen. Ich gehe an die Theke und bin immer froh, wenn jemand vor mir dran ist, damit ich das zarteste Fleisch abchecken kann. Nie sage ich einfach "Vier Schweineschnitzel aus der Oberschale, bitte." Nie!
Ich konferiere erst mal mit der Dame hinter der Theke, ob das Fleisch, das meinen Ansprüchen genügt, auch für Schnitzel geeignet ist und ob es welches gibt, das noch zarter und fettfreier wäre.
Komischerweise verschwinden die Verkäuferinnen immer wie von Zauberhand, wenn ich vor der Metzgerei auftauche. Um sie nicht diesem Stress auszusetzen, schicke ich immer Nico rein, wenn ich nur Wurst oder Hackfleisch haben will. Wenn ich selbst den Laden betrete, wissen sie, was die Stunde geschlagen hat.
*~*~*~*~*
2. Zuhause angekommen schneide ich die Schnitzel in Stücke, die etwa das Maß einer ATC haben. Dabei entferne ich ALLES, was irgendwie anders aussieht als rosiges reines Fleisch - nicht nur das Fett, auch irgendwelche Stellen, die einen Hauch dunkler oder heller sind als der Durchschnitt.
*~*~*~*~*
3. Jetzt tritt der Fleischhammer in Aktion. Die Vögel im Garten vestummen, der Nachbarhund verzieht sich winselnd in die Hütte und die Dachdecker in der zehn Kilomer entfernten Kreisstadt halten Ausschau, wer am hellen Tag ein Feuerwerk veranstaltet. Dabei werden die ATC-großen und fingerdicken Stücke etwa viermal größer, dafür aber seeehr zart.
Sollte ich bei diesem Vorgang noch verdächtig aussehende Fleischfasern entecken, werden sie selbstverständlich sofort eliminiert.
*~*~*~*~*
4. Nun werden die Schnitzel mit Salz, Pfeffer und wenig Paprikapulver gewürzt. Dann wende ich sie in Mehl. Wenn ich sie nun hochhebe und ins Licht halte, ähneln sie sehr den geklöppelten Gardinen meiner Großmutter.
Anschließend wende ich sie in verquirltem Ei und in Paniermehl. Wenn ich immer noch hindurchsehen kann, wiederhole ich das Eier- und Paniermehlwenden.
*~*~*~*~*
5.Nun erhitze ich Öl in drei Pfannen (sonst reicht der Platz nicht) und lege die Schnitzel hinein. Dann wird es ganz schön anstrengend, denn ich muss aufpassen, dass die Schnitzel nicht dunkler als ein zartes Primelgelb werden. Also wende ich (zweihändig, sonst dauert es zu lange) die Schnitzel, wobei ich auch noch dafür Sorge trage, dass sie nicht auseinanderfallen. Jedes Schnitzel wird ca. zehnmal gewendet.
*~*~*~*~*
Jetzt habe ich es geschafft ! Dazu gibt es meistens Pommes oder Kartoffeln mit Jägersoße (für meinen Mann, *brrr*)und Gemüse, also nur Beilagen, die nebenher köcheln, denn -wann soll ich denn das noch machen ???
Ich habe mir überlegt, dass irgendwelche Spielarten keinen Sinn haben - ich habe auch so genug zu tun.
Übrigens: Meine Männer lieben meine Schnitzel !
Guten Appetit !
Pin It

7 comments:

  1. spitzen beitrag, iris!!! du bist für mich eindeutig die schnitzel queen unter der sonne :-)) *respekt* ... in einem tv-bericht hatte ich mal gesehen, dass echte wiener schnitzel in drei verschieden heißen pfannen gebraten werden. von daher kann ich nur erahnen, wie LeCkeR deine scrapschnitzel sind *schmatz* :-))

    nur, eines habe ich nicht ganz verstanden, sorry: wie schaffst du es, bei drei pfannenplätzen, einem kartoffelplatz und einem gemüseplatz mit nur 4 kochstellen auszukommen? oder habe ich da etwas irgendwie falsch verstanden, dass du eventuell auf den backofen ausweichst?

    lg nadine

    ReplyDelete
  2. Die Pommes sind im Backofen, die Kartoffeln auf der vierten Pfanne und das Gemüse in der Microwelle *LOL*

    ReplyDelete
  3. Ich lach mich schlapp...Herrlich!
    Das hört sich so lecker an...ich muß gleich los zum Metzger und mich auch dort unbeliebt machen :-)
    Klasse Bericht!

    ReplyDelete
  4. Also ich mach Schnitzel genauso...

    Ich nehme immer Lachsrolle! Die ist super zart und mager, nur am Rand ist etwas Fett und so eine Ecke ist immer dran die ich immer abschneide!

    ReplyDelete
  5. Hört sich sehr lecker an, wann darf ich vorbeikommen?

    Aber mal im Ernst, ich schneide auch alles ab, was nicht im Entferntesten einem Schnitzel ähnelt. Generell bin ich manchmal länger mit Aussortieren als mit Essen beschäftigt.

    ReplyDelete
  6. Hallo Iris,

    ich habe mich köstlich amüsiert bei Deiner Rezeptanleitung. Bei Dir würde ich glatt ein Schnitzel essen. Bin da sonst auch ein wenig pingelig, wenn da etwas anderes als mageres Fleisch paniert wird.

    LG
    Heike

    ReplyDelete
  7. *lach* und da soll nochmal einer sagen die Kocherei wäre keine kreative Kunst! Herrlicher Beitrag Iris!

    LG
    Sabs

    ReplyDelete